Interoperabilität: Einfach zwischen Messengern kommunizieren?

Kommunizieren wir alle bald schon von einer Messenger App zur anderen, ohne Hürden oder Sicherheitsbedenken? Auch zwischen hochsicheren Business-Lösungen und Customer Messaging Apps?

Teamwire, Mai 14 2024

Könnte also die Kollegin im Homeoffice über ihr Smartphone Daten über eine andere App austauschen und trotzdem sicher arbeiten? Können Familienmitglieder verschiedene Apps nutzen und dennoch problemlos miteinander chatten?

 

Das ist die Vision zahlreicher Technologiefirmen: Standards und technische Lösungen zu entwickeln, die eine Interoperabilität ermöglichen.
Das macht “Interoperability” zu einem der heißesten Schlagworte in der Tech-Branche derzeit. Was steckt alles dahinter? Welchen Einfluss hat die DSGVO? Wie verändert eine solche Interoperabilität die Kommunikation für Bürger*innen, Unternehmen und Behörden in der Zukunft? All das verraten wir Ihnen gerne im Detail.

 

 

 

Was ist Interoperabilität zwischen Messengern?

 

Interoperabilität bezieht sich auf die Fähigkeit verschiedener Systeme und Dienste, miteinander zu kommunizieren, Daten auszutauschen und zusammenzuarbeiten, ohne dass dabei große Hindernisse entstehen.

 

Im Kontext von Messaging-Plattformen wie Teamwire bedeutet dies, dass Nutzende die Möglichkeit haben, sich von einem Messenger-Dienst zu einem anderen Dienst auszutauschen, ohne dass ihre Kommunikation unterbrochen wird. Also von Teamwire zu WhatsApp zu Signal, ohne zusätzlichen Aufwand oder Medienbruch.

 

 

Welche Herausforderungen gibt es für die Interoperabilität von Messengern?

 

Für uns Nutzende ist es selbstverständlich, dass wir an jede E-Mail-Adresse schreiben können und unsere elektronische Post gut ankommt. Denn alle E-Mail-Programme weltweit basieren auf einem gemeinsamen Standard: Egal, welche E-Mail-Adresse jemand nutzt, Ihre Mail kommt an. Dies ermöglicht ein einheitliches technisches Protokoll, an dem sich alle Mailprogramm-Anbieter orientieren. Somit ist es egal, ob Ihre Mail an Google Mail, GMX oder einen eigenen Mailserver wie @familie-fuchs.de geht. Alle diese Systeme können miteinander kommunizieren und die übermittelten Daten korrekt darstellen. So einfach, so komfortabel für uns alle!

 

Anders sieht es leider noch zwischen den zahlreichen Messengern aus. Ob Consumer oder Business Messaging App: Threema, Teamwire, WhatsApp und all die anderen sind in sich selbst abgeschottete Kommunikationsplattformen. Sie sind somit nicht miteinander interoperabel.

 

Die Folgen kennen viele Menschen aus dem eigenen Alltag: Wie schnell ist jemand nicht mehr im Bilde, wenn alle Freunde und Freundinnen WhatsApp nutzen, aber man selbst auf Threema setzt? Oder im Job, wie schnell entstehen Verzögerungen oder gar Probleme, wenn zwei Organisationen zusammenarbeiten sollen, aber hierfür verschiedene Systeme nutzen?

 

Die Ursache all dieser Hürden für eine einfache Kommunikation: Anders als bei E-Mails gibt es bis dato noch kein Standardprotokoll für die Interoperabilität von Messaging-Diensten. Alle diese Systeme nutzen unterschiedliche Sicherheits- und Verschlüsselungsprotokolle. Und somit bleiben die Anwender*innen in ihren jeweiligen Silos begrenzt und können nur umständlich mit anderen kommunizieren – noch.

 

Was ist der MIMI-Standard für Interoperabilität?

 

Die Lösung für die angestrebte Interoperabilität von Messenger-Plattformen ist ein gemeinsamer Standard. Dieser ermöglicht es den Systemen, miteinander sicher Daten auszutauschen. Doch noch nutzen alle Messenger unterschiedliche Sicherheits- und Verschlüsselungsprotokolle, die sie inkompatibel miteinander machen.

 

Ändern soll dies künftig der MIMI-Standard. MIMI steht hierbei für More Instant Messaging Interoperability. Entwickelt wird MIMI von der Internet Engineering Task Force (IETF). Die IETF ist eine internationale Organisation zur technischen Weiterentwicklung des Internets, der Einführung von Standards und Best Practices.

 

Das klar definierte Ziel für den MIMI-Standard: Weltweit die Interoperabilität verschiedener Instant Messaging-, Chat- und Kollaborationsdienste zu ermöglichen. Dabei soll der neue Standard eine sichere, zuverlässige und einfache Verbindung zwischen verschiedenen Messaging Apps und Kommunikationsdiensten herstellen.

 

Was ist die Basis des MIMI-Standard für Interoperabilität?

 

Der angestrebte flächendeckende MIMI-Standard für Messenger Interoperabilität fußt auf dem MLS Protokoll (Messaging Layer Security). Dies ist ein modernes Nachrichtenprotokoll für die vollständige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Gruppenkommunikation.

 

MLS ist hoch skalierbar für mehrere tausend Teilnehmer und zu diesem Zweck auch unabhängig von dem in einem bestimmten Messaging-Dienst verwendeten Identitätssystem konzipiert. Zudem soll die Kryptografie von MLS in Zukunft auch “quantensicher” sein. D.h. MLS schützt gegen potentielle Angriffe von Quantencomputern. Somit gewährleistet MLS die Vertraulichkeit von Sitzungen und die sichere Kommunikation jeder Größenordnung.

 

Wann kommt der MIMI-Standard?

 

Vieles spricht dafür, dass der MIMI-Standard wie geplant bereits im Laufe des Jahres 2024 finalisiert und veröffentlicht wird. Vor allem die Erfahrung und Expertise der IETF: Der freiwillige Zusammenschluss aus IT-Experten und -Expertinnen, Herstellern und Nutzenden steht hinter der Entwicklung des MIM-Standards. Ihre Erfolgeschichte spricht für sich – die IETF hat in den letzten Jahrzehnten bereits erfolgreich die relevantesten Internetstandards definiert.

 

Auch die politischen Gegebenheiten sprechen für einen erfolgreichen und baldigen Launch des MIMI-Standards als Basis der Interoperabilität zwischen Messengern: Die Bemühungen der Europäischen Union (EU) für mehr digitale Souveränität sowie das Aufbrechen von Monopolstellungen und Anbietersilos, rückt auch den MIMI-Standard und MLS in den Fokus.

 

Zudem beteiligen sich immer mehr Hersteller von Kommunikationslösungen an der Entwicklung des MIMI-Standards. Die für 2024 geplante Veröffentlichung ist daher durchaus realistisch.

 

Die Gretchenfrage bei jedem neuen Standard bleibt jedoch: Setzt sich das durch? Hier bietet die breite Unterstützung durch zahlreiche Anbieter beste Chancen für eine erfolgreiche Etablierung und breite Nutzung. Und das wäre der entscheidende Schritt für eine nahtlose Interoperabilität zwischen verschiedenen Messaging Apps, ob es Consumer oder Business Messenger sind.

 

 

Wie verändert Interoperabilität die Kommunikation?

 

Die Einführung von Interoperabilität zwischen Messengern kann eine Revolution der Art und Weise bedeuten, wie wir miteinander kommunizieren. Stellen Sie sich vor, Sie können problemlos in Business-Lösungen von Teamwire zu Threema zu Matrix Nachrichten und Inhalte austauschen, ohne dabei die Kommunikation kopieren oder Ihre Kontakte neu hinzufügen zu müssen.

 

Das Gleiche gilt für eine sichere Kommunikation in Consumer-Lösungen von WhatsApp zu Signal zu Telegram, und potenziell auch zwischen Business- und Consumer-Lösungen. Diese Flexibilität könnte die Art und Weise, wie wir mit unserem Freundeskreis, unseren Kolleginnen und Kollegen, mit Kundinnen und Kunden, ja sogar mit staatlichen Stellen interagieren, grundlegend verändern.


Ein Beispiel aus der Praxis: Unternehmen

 

Dank Interoperabilität können Sie einfach eine geschäftliche Unterhaltung nahtlos von einer Plattform zur anderen führen. Angenommen, Ihr Unternehmen verwendet für seine interne Kommunikation eine sichere Business Messaging App wie Teamwire. Ihre Kundinnen und Kunden hingegen setzen lieber auf Threema, Telegram und Co.?

 

Kein Problem mehr, dank Interoperabilität. Dadurch können dann nämlich beide Parteien den Messenger ihrer Wahl nutzen, ohne dass dies die Effizienz oder Sicherheit des Datenaustauschs beeinträchtigt wird.

 

Diese Interoperabilität wird einen entscheidenden Vorteil bringen: Der Austausch wird vereinfacht und Medienbrüche vermieden. Dadurch steigt die Effizienz in der täglichen Kommunikation gewaltig. Was für Bürger*innen untereinander einfacher und bequemer ist, hat für Unternehmen und andere Organisationen noch weitere Auswirkungen: Schlechte Kommunikation kann für Unternehmen teuer sein, da sie zu Missverständnissen, Fehlern, ineffizienten Prozessen und demotivierten Mitarbeitenden führen kann. Obwohl es schwierig ist, den genauen finanziellen Verlust zu quantifizieren, zeigen Studien und Expertenanalysen, dass die Kosten erheblich sein können. So gehen Fachleute davon aus, dass Firmen bis zu 11,5 Arbeitstage an Produktivität durch schlechte Kommunikation verlieren.  Hier kann Interoperabilität den entscheidenden Schritt hin zu mehr Effizienz und höherem Gewinn darstellen.


Ein Beispiel aus der Praxis: Behörden

 

Behördliche Vorgänge erfordern eine enge Kooperation mit den Bürger*innen: Die Anforderung fehlender Unterlagen, Nachfragen zu Details und schließlich Bescheide kosten Sie als Beamtin oder Beamten jedoch viel Zeit. Zudem fallen sowohl Portokosten als auch wahre Papierberge voller vertraulicher Informationen an.

 

Setzt nun jedoch Ihre Verwaltung auf einen sicheren Business Messenger wie Teamwire können Sie durch die kommende Interoperabilität einfacher, sicherer und effizienter mit den Bürger*innen direkt über den Messenger ihrer Wahl kommunizieren.

 

So gehen keine Briefe erst verspätet ein oder gar verloren. Anliegen können so schneller bearbeitet werden, wodurch Belastung und Stress unter Beamtinnen und Staatsangestellten sinken sollten.

 

Zudem garantieren die hohen Sicherheitsstandards von Messengern im MIMI-Standard eine für herkömmliche Briefe unerreichbare Datensicherheit. Und zu guter Letzt profitiert sogar die Umwelt: Weniger Briefe bedeuten auch weniger Papierverbrauch sowie weniger Emissionen durch Verkehr und Straßenabnutzung.


Sie sehen: Dank Interoperabilität können Sie einfach eine geschäftliche Unterhaltung nahtlos von einer Plattform zur anderen führen. Und dabei die Vorteile der digitalen Kommunikation mit der Nachvollziehbarkeit und Sicherheit verbinden, die Sie benötigen.

 

 

Was sind die Vorteile der Interoperabilität für Behörden & Unternehmen?

 

Für Unternehmen bietet die Interoperabilität eine immense Chance, die Effizienz ihrer Kommunikation zu steigern. Mitarbeitende können über verschiedene Plattformen hinweg zusammenarbeiten, ohne dass sie sich auf einen bestimmten Messenger-Dienst festlegen müssen. Dies kann die Zusammenarbeit in Teams verbessern und die Kommunikation mit externen Partnern erleichtern. Dies gilt besonders, wenn Sie viel mit Saisonkräften oder Springern arbeiten, die ihre eigenen mobilen Endgeräte oder PCs für die Kommunikation nutzen (Bring Your Own Device-Prinzip).

 

Ein weiterer Vorteil für Unternehmen ist die Möglichkeit, die Integration von Drittanbieter-Anwendungen zu vereinfachen. Durch Interoperabilität können Unternehmen leichter auf eine Vielzahl von Tools und Diensten zugreifen, die ihre Kommunikations- und Arbeitsabläufe unterstützen. Dies könnte zu einer effizienteren Nutzung von Ressourcen führen und die Innovationskraft steigern.

 

Auch Behörden profitieren enorm von Interoperabilität: Besonders bei zeitkritischen oder sensiblen Themen ermöglicht die Interoperabilität von Messengern den nötigen schnellen und sicheren Datenaustausch. Bei Business Messenger Apps wie Teamwire sorgen zudem integrierte Funktionen wie Alarmierung, geteilte Notizen oder themenspezifische Gruppenchats dafür, dass alle Beteiligten immer im Bilde sind.

 

Schnellerer Datenaustausch und vereinfachte Kommunikation sind die Kernelemente der Interoperabilität. Darüber hinaus bietet diese jedoch auch zahlreiche weitere Vorteile für Firmen und Organisationen jeder Art.

 

Die Vorteile der Interoperabilität im Überblick

  • Tauschen Sie schnell und gezielt Informationen aus
  • Übermitteln Sie auch größere Datenmengen (Videos etc.)
  • Beschleunigen Sie die Bearbeitungszeit von Vorgängen
  • Bewahren Sie auch bei externer Zusammenarbeit den Schutz und die Vertraulichkeit von Daten
  • Senken Sie die Abhängigkeit von Anbietern
  • Schonen Sie die Umwelt
  • Sparen Sie Zeit und Ressourcen bei der Entwicklung von Standards oder gar einer eigenen Messaging-Lösung ein

Für welche Unternehmen & Behörden wird Interoperabilität zum Gamechanger?

Von einfacherer Kommunikation zwischen verschiedenen Messenger Apps profitieren Bürgerinnen und Bürger ebenso wie Behörden, Unternehmen und Organisationen jeder Art. Dennoch gibt es einige, bei denen die Vorteile für uns alle besonders relevant sind.

 

Diese Organisationen profitieren von Interoperabilität besonders

 

Für all diese Organisationen wird Interoperabilität zwischen Messenger Apps ein wahrer Gamechanger sein – und für viele andere Behörden, Unternehmen und Menschen eine große Erleichterung im Alltag.

 

Was verändert Interoperabilität für Bürger*innen?

Auch für Bürger und Bürgerinnen birgt die Interoperabilität zahlreiche Vorteile. Sie können einfacher mit Behörden kommunizieren: Beide Seiten nutzen weiter jene Plattformen, die diese bereits jetzt verwenden, doch diese ermöglichen einen nahtlosen Austausch miteinander.

 

Gleichzeitig können alle Menschen von einer stark vereinfachten Kommunikation mit staatlichen Stellen profitieren, ohne sich um deren verschiedenen Systeme kümmern zu müssen. Angesichts der hohen Unzufriedenheit vieler Bürger*innen mit den öffentlichen Verwaltungen und den langen Bearbeitungszeiten staatlicher Stellen ist dies aus unserer Sicht eine überfällige Vereinfachung der Behördengänge in Deutschland.

 

Weitere entscheidende Aspekte sind Datenschutz und Datensicherheit. Dank Interoperabilität müssen Bürger*innen weniger persönliche Daten an verschiedene Plattformen weitergeben, da sie sich auf weniger Dienste konzentrieren können. Gleichzeitig könnten Mitarbeitende von Behörden, Firmen und Organisationen sicherstellen, dass sensible Informationen sicher und verschlüsselt übertragen werden, unabhängig von der gewählten Messaging-Plattform.

 

Fazit: Interoperabilität nützt Unternehmen, Behörden & Bürger*innen

 

Die Einführung von Interoperabilität zwischen Messaging Apps – egal ob für Unternehmen, Behörden oder Privatanwender – hat das Potenzial, die Art und Weise, wie wir kommunizieren, grundlegend zu vereinfachen. Entscheidend hierfür ist die Etablierung eines gemeinsamen Standards zur Kommunikation zwischen den Software-Lösungen, wie dem bald kommenden MIMI-Standard.

 

Unternehmen profitieren durch die Interoperabilität von einer verbesserten Zusammenarbeit mit Tochterfirmen, anderen Unternehmen und Organisationen. Sie können zugleich auch einen besseren Kundenservice anbieten, was uns allen als Kundinnen und Kunden zugutekommt.